Was ist Psychotherapie?

Warum Psychotherapie?

Wenn ein Mensch auf die Welt kommt, bringt er eine Reihe genetischer Informationen mit.

Zunächst ist es wichtig zu verstehen, dass psychische Störungen meist aus einer Wechselwirkung zwischen Erfahrungen aus der Kindheit und Veranlagung begünstigt werden. Durch unsere Erfahrungen entwickeln wir bestimmte Glaubenssätze und Denkmuster, die wiederum mit gewissen emotionalen Reaktionen verbunden sind. Je nachdem wie wir gelernt haben mit unseren Gedanken und Gefühlen umzugehen, verhalten wir uns heute. Und je nachdem wie wir uns an unsere Vergangenheit erinnern, welche Glaubenssätze wir mitgenommen haben und welche Denkstrukturen wir weiter pflegen entwickeln wir ein Konstrukt von unserer Identität. Wir glauben so oder so zu sein und so oder so sein zu müssen, um akzeptiert, geliebt und anerkannt zu werden.

Insbesondere unsere Bezugspersonen (Eltern, Großeltern) aber auch Peers (Freunde, Mitschüler) und unsere späteren Beziehungserfahrungen prägen unser Ich-Gefühl und unser Denken wer und wie wir sind.  Und so hat aber auch heute noch jede nahe Beziehung Einfluss darauf, wie wir uns selbst wahrnehmen und in Folge dessen mit uns selbst umgehen. Dabei ist die Beziehung die wir mit uns selbst pflegen im Erwachsenenalter jedoch die wichtigste. Ist diese liebevoll oder ablehnend?

Empfinden wir in uns eine vorwiegend ablehnende Haltung uns selbst gegenüber (ich bin nicht gut genug, nicht schön genug, nicht liebenswert, zu fehlerhaft, schuld an allem was schief geht etc.) können aktuelle zusätzliche Belastungen das Fass zum überlaufen bringen.

Durch aktuelle Belastungen im Leben können sich dann Symptome (z.B. Niedergeschlagenheit, Traurigkeit, Panikattacken, Zwänge, etc.) entwickeln, die sich dann im Laufe der Zeit zu einer psychischen Störung weiterentwickeln können (z.B. Depression, Angststörung, Zwangsstörung,  etc.), die ohne eine Therapie (Verhaltenstherapie) nicht zu bewältigen ist.

In Folge dessen versucht der Mensch, seine Beschwerden selbst zu mildern indem er z.B. Menschenmengen vermeidet, nur noch zu Hause bleibt, soziale Kontakte abbricht, Suchtmittel zu sich nimmt, sich die Haare ausreißt oder andere schädliche Verhaltensweisen ausübt, um mit den unangenehmen Gefühlen, die entstehen zurecht zu kommen.

Dies wiederum verstärkt negative Gedanken nicht wertvoll, ungenügend oder schlecht zu sein, was dann zu weiteren unangenehmen Gefühlen von Einsamkeit, Traurigkeit, Scham, Schuld und Angst u.a. führt und im Verlauf weitere Probleme im sozialen und beruflichen Umfeld verursacht. So entsteht ein Teufelskreis aus dem viele alleine (ohne Therapie mit einem Psychotherapeuten) nicht mehr herausfinden.

Warum Psychotherapie?

Die Psychotherapie dient dazu, mit Hilfe eines Experten (Psychotherapeuten) aus diesem Teufelskreis heraus zu brechen. Und der Ausbruch gelingt meist darüber etwas an seinem Verhalten, seinen Gedanken und an seinen Gefühlen zu verändern.

So viel auch in der Vergangenheit schief gelaufen sein mag. Es gibt immer die Möglichkeit eine heilsame Erfahrung zu machen, die es wieder ausgleicht. Nur ist diese heilsame Erfahrung mit einer absoluten Verantwortungsübernahme verbunden. Solange wir anderen Menschen die Schuld und damit die Verantwortung übertragen, dass es uns nicht gut geht, geben wir die Kontrolle darüber ab und können nichts ändern.

Erst wenn wir verstehen, dass trotz aller Widrigkeiten wir selbst unser Denken, Fühlen und Handeln verantworten und nur wir alleine in der Lage sind diese zu verändern kann wirkliche Veränderung stattfinden. Das Ziel in jeder Psychotherapie ist daher Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und zu  lernen sich selbst zu lieben und auch genauso mit sich selbst umzugehen. 

Hierfür muss sich der Betreffende aber erst einmal über sein Verhalten, seine Gedanken und Gefühle bewusst werden. Und hierzu gibt es unterschiedliche Methoden in der Psychotherapie.

Da jeder Mensch verschieden ist, gibt es kein Allheilmittel für Jedermann. Und deshalb gibt es auf dem Gebiet der Psychotherapie so viele unterschiedliche Therapien (Therapiemethoden).

Der eine kommt in der Psychotherapie über das Sprechen an seine Gefühle und Gedanken, der andere über Musik. Wieder ein anderer probiert (zusammen mit dem Psychotherapeuten in der Therapie) gerne neue Verhaltensweisen aus und spürt erst durch den Unterschied zum alten Verhalten seine Gefühle. Jeder unserer Sinne bietet einen neuen Zugang zu unserem Innenleben, unseren Gedanken und Gefühlen.

Psychotherapien bei Psychotherapeuten sind demnach alle Methoden, die dazu dienen, an unsere Gefühle heranzukommen und wieder ein Gleichgewicht in unserer Psyche herzustellen.

Oft werden dabei existenzielle Themen wie „Was möchte ich eigentlich wirklich in meinem Leben?“, „der Sinn des Lebens“, „der Tod“, „alt werden und Krankheit“, „Schuldgefühle“ besprochen, aber auch konkrete Verhaltensmuster wie „Nein sagen“, „um Hilfe bitten“, „Tagesstruktur“ oder „angstmachende Situationen und Verhaltensweisen“ beübt.

Es gibt Methoden, die mit der Vorstellungskraft arbeiten, die zur Entspannungsfähigkeit beitragen, die traumatische Ereignisse umschreiben und vieles mehr. Aber letztendlich ist jede Methode nur so gut wie sie der Auszuführende beherrscht. Und damit ist nicht der Therapeut gemeint, der natürlich über genügende Expertise mitbringen sollte. Alle Übungen wirken nur so gut wie sehr sie geübt werden.

Kein Mensch würde erwarten einen Marathon zu laufen ohne vorher intensiv trainiert zu haben. Psychotherapie ist ein Training des Gehirns. Es muss grundlegend Neues lernen und das geht nicht über Nacht und auch nicht ohne intensives eigenes Engagement. Der Psychotherapeut ist lediglich der Bergführer. Den Berg besteigen muss jeder Patient selbst. Wer das verstanden hat bevor er in eine Therapie kommt hat die besten Voraussetzungen dafür, dass sein Leben sich ändern kann, er oder sie gesund werden kann; und zwar dauerhaft.

Schauen Sie sich gerne hier den Ablauf einer Psychotherapie (Verhaltenstherapie) an.

Psychotherapie