Psychotherapie

Schlafstörungen: wenn der Albtraum vor dem Schlafen beginnt

Besser Schlafen und Schlafstörungen (Insomnie) überwinden: Ein Weg zur inneren Ruhe

Das Wort „Schlafstörung“ klingt für viele bedrohlich, besonders in einer Welt, die Gesundheit, körperliche Fitness und Work-Life-Balance in den Mittelpunkt stellt. Bei der Online-Recherche zu Schlafstörungen findet man beunruhigende Aussagen wie:

„Nach mehreren Tagen ohne Schlaf arbeitet unser Immunsystem nicht mehr effektiv, das Risiko von Infektionskrankheiten steigt. Wer länger als eine Woche wach bleibt, leidet unter Sehstörungen, Halluzinationen und entwickelt Symptome, die einer Psychose ähneln.“ (gefunden an 3. Stelle auf Google).

Angesichts solcher Informationen ist es verständlich, dass Schlafstörungen Ängste auslösen können. Viele Menschen greifen aus dieser Angst heraus zu Medikamenten, um beim Einschlafen oder Durchschlafen zu helfen. Die Pharmaindustrie erzielt mit Insomnie „im Schlaf“ jährlich Milliardenumsätze – von pflanzlichen Präparaten bis zu starken betäubenden Mitteln.

Leider bringen diese oft wenig, bekämpfen nicht die Ursachen der Schlafstörung, können abhängig machen und Rebound-Effekte am nächsten Tag auslösen, die zu Panikattacken und weiteren Störungen führen. Eine medikamentöse Unterstützung ist grundsätzlich nicht abzulehnen, aber im Falle von Insomnie / Schlafstörung könnte es der falsche Ansatz zum Einschlafen sein.

Eigene Erfahrungen mit Schlafstörungen

Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass die oben genannten Symptome aufgrund von Insomnie äußerst selten auftreten. Und wenn sie auftreten, ist der Körper oft bereits so müde, dass er kurz darauf sicher wieder in den Schlaf findet. Die gute Nachricht ist: Es ist noch niemand an Schlafmangel gestorben – der Schlaf kommt bei jedem irgendwann wieder.

Die Zeit ohne Schlaf kann zweifellos unangenehm sein. Doch wer schon einmal über Wochen wenig bis gar keinen Schlaf hatte, wird überrascht feststellen, wie viel man trotz Schlafstörungen noch leisten kann. Oft ist die größte Angst, den Verpflichtungen nicht mehr nachkommen zu können. Doch in Wahrheit können wir mehr, als wir glauben, und wir müssen nicht zwingend immer so viel schlafen.

In der Depressionsbehandlung wird sogar der Entzug von Schlaf als therapeutisches Mittel angewandt, um die Stimmung zu heben. Manische Patienten schlafen oft maximal 3 Stunden in der Nacht und vollbringen dabei eine Fülle an Taten. Indische Gurus und buddhistische Mönche schlafen ebenfalls äußerst wenig in der Nacht und meditieren stattdessen viel. Das Wichtigste, das Menschen mit Schlafstörungen verstehen sollten, ist, dass nicht der Mangel an Schlaf selbst zum Leiden führt, sondern die Gedanken daran, dass die Schlafstörung bedrohlich ist.

Psychische Gründe und Akzeptanz

Wer aus rein psychischen Gründen nicht schlafen kann – und das trifft auf die meisten Menschen mit Schlafstörungen zu – muss sich keine Sorgen machen. Es geht vorbei, so wie Lebensphasen vorübergehen. Oft wird am Tag zu wenig achtsam mit den eigenen Problemgedanken umgegangen. Man merkt gar nicht, wie man sich immer wieder mit unlösbaren Problemen beschäftigt. Manchmal sind sie lösbar, und wenn man genau hinhört und sich aktiv damit auseinandersetzt, kann man sie angehen. Doch im hektischen Alltag finden wir oft keine Zeit dafür. Die Gedanken begleiten uns dennoch.

Abends, kurz vor dem Einschlafen, haben diese Gedanken Raum und halten uns wach. Manchmal sind sie uns nicht bewusst zugänglich, weil uns die Achtsamkeit fehlt. Achtsamkeit bedeutet, das Wahrnehmen von dem, was passiert – nicht zu verwechseln mit sorgenvollem Grübeln und Problemdenken. Es ist das Beobachten der sorgenvollen Gedanken aus einer Beobachterperspektive.

Es gibt zweifellos schwierige Lebenssituationen, Schicksalsschläge und Dinge, die uns plötzlich den Boden unter den Füßen wegziehen und unsere Gesundheit beeinflussen können. Nicht gut schlafen zu können, ist in solchen Extremsituationen völlig normal. Aber auch außerhalb dieser Situationen ist die Schlafstörung häufiger als gedacht. Laut Statista leiden 43% der deutschen Bevölkerung an dauerhaften oder wiederkehrenden Schlafstörungen.

Wenn fast die Hälfte der Deutschen darunter leidet, könnte Insomnie dann wirklich eine Erkrankung sein oder eher eine natürliche Reaktion unseres Körpers und Geistes, um wieder in die Balance zu kommen? Zu berücksichtigen ist hier vielleicht auch das kleine Wörtchen „leiden“, denn es gibt genug Menschen, die so gewöhnt daran sind wenig zu schlafen, dass sie es gar nicht als Leiden definieren würden.

Leiden entsteht erst, wenn wir denken, es sollte anders sein. War es bisher nie anders, werden wir nicht auf die Idee kommen, plötzlich daran zu leiden. Mit Ausnahme es wird uns sehr dringlich eingeredet, es sei falsch. Vielleicht fangen wir dann an, uns Gedanken zu machen und dann evtl. auch darunter zu leiden.

Und hier sind wir auch bei dem aus meiner Sicht einzigen Mittel, das bei dem Leiden unter Schlafstörungen helfen kann: Die Veränderung unserer Gedanken über Schlaflosigkeit. Hilfreich kann hier eine kurze Psychotherapie sein, aber auch Gespräche mit dem Umfeld, die einem zeigen, dass man nicht alleine mit diesem Problem ist, können sehr heilsam sein.

Wenn man dann noch das Glück hat, auf Menschen zu treffen, für die die jahrelange Schlafstörung gar kein Problem darstellt, sondern normal ist und vielleicht sogar zu Vorteilen geführt hat („Ich kann in der Zeit endlich die Bücher lesen, für die ich tagsüber keine Zeit habe“, „Ich kann ganz früh joggen gehen, ohne dass jemand etwas von mir will“, „Ich kann meine Yogaübungen machen“, „Ich schaue mir Serien an“), fällt das Loslassen der negativen Gedanken über die Schlafstörungen noch leichter.

Das Wichtige bei Schlaflosigkeit ist nicht, sie wieder loszuwerden. Das Wichtigste ist, Schlafstörungen zu akzeptieren und anzunehmen als eine Phase, die mit Sicherheit wieder vergeht (so wie alles im Leben vergänglich ist, auch das Leben selbst) und Geduld mit sich selbst zu haben. Liebevoll mit sich umzugehen und sich die Zeit ohne Schlaf so angenehm zu gestalten wie nur möglich.

Mit der Schlaflosigkeit möchte unser Körper und Geist uns etwas mitteilen – geht selbst auf die Suche nach den Ursachen – und meist liegt es nämlich genau darin, etwas freundlicher mit uns zu sein. Nicht nur in dem, was wir tun, sondern vor allem in dem, was wir denken. Wer einmal achtsam seine Gedanken beobachtet, wird erkennen, dass ein Großteil davon negativ ist. Sich selbst oder anderen gegenüber. Wir sind unglaublich ungeduldig geworden, in einer Zeit, in der Bestellungen noch am selben Tag (wie im Schlaf) in unser Haus geliefert werden.

Es wird Zeit, sich wieder mehr in Geduld zu üben, denn Geduld ist Liebe. Und wenn wir uns selbst Liebe schenken, können wir auch wieder ruhig einschlafen. Wir alle waren mal Babys und Kleinkinder. Mit Druck und Wut sind wir damals auch nicht schnell wieder eingeschlafen. Hier braucht es ebenfalls Liebe und Geduld (ein Hoch auf alle Mamas und Papas dieser Welt, die dies mitten in der Nacht, oft mehrfach aufbringen!) und jeder von uns ist dazu in der Lage, dies wieder mehr zu üben.

Gerne helfe ich Ihnen dabei, die Ursachen zu finden und mehr Frieden in sich zu finden, um Phasen der Schlafstörungen besser zu überstehen oder auch ganz hinter sich zu lassen. In meinem Blog finden Sie noch ein paar Tipps, um den Mangel an Schlaf als Wohlfühlzeit für sich selbst besser zu nutzen und einen neuen Blick darauf zu bekommen.

Erfahren Sie mehr über den Psychotherapie Ablauf und eine mögliche Hilfe bei Schlafstörungen in der Psychotherapeutischen Praxis Sarah Schwemin.

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